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Alkohol und Entgeldfortzahlung

 

Alkoholabhängigkeit (Alkoholismus) ist eine Krankheit i. S. von § 1 I 1 LohnFG. Maßgebend für die Beurteilung, ob den Arbeiter an der krankhaften Alkoholabhängigkeit ein Verschulden trifft, ist sein Verhalten vor dem Zeitpunkt, in dem die Alkoholabhängigkeit eingetreten ist. BAG, 1.6.1983, 5 AZR 536/80

 

Ein seit längerer Zeit an Alkoholabhängigkeit erkrankter Arbeitnehmer kann schuldhaft handeln, wenn er - in noch steuerungsfähigem Zustand - sein Kraftfahrzeug für den Weg zur Arbeitsstelle benutzt, während der Arbeitszeit in erheblichen Maße dem Alkohol zuspricht und alsbald nach Dienstende im Zustande der Trunkenheit einen Verkehrsunfall verursacht, bei dem er verletzt wird. BAG, 30.3.1988, 5 AZR 42/87

 

Hat der Alkoholiker sich einer stationären Entziehungskur unterzogen, bei der er über die Gefahren des Alkohols für sich aufgeklärt worden ist und ist es ihm anschließend gelungen, für mehrere Monate abstinent zu bleiben, kann ein schuldhaftes Verhalten vorliegen, wenn der Arbeitnehmer sich wiederum dem Alkohol zuwendet und dadurch erneut arbeitsunfähig krank wird. BAG, 11.11.1987, 5 AZR 497/86

 

Der Arbeiter, der Lohnfortzahlung wegen krankhafter Alkoholabhängigkeit fordert, muss an der Aufklärung aller für die Entstehung des Anspruch erheblichen Umstände mitwirken. Er muss den Arbeitgeber über die Gründe aufklären, die nach seiner Auffassung zur Krankheit geführt haben. BAG, 1.6.1983, 5 AZR 536/80

 

Es kann ein schuldhaftes Verhalten im Sinne des Entgeltfortzahlungsrechts vorliegen, wenn der Arbeitnehmer sich nach einer Entziehungskur und mehrmonatiger Abstinenz wiederum dem Alkohol zuwendet und dadurch erneut arbeitsunfähig krank wird (Fortsetzung von BAGE 43, 54 = NJW 1983, 2659 = AP § 1 LohnFG Nr. 52).

BAG, 11.11.1987, 5 AZR 497/86

 

Der Arbeiter, der Lohnfortzahlung für eine Zeit der Arbeitsunfähigkeit aus Gründen bestehender Alkoholabhängigkeit fordert, muss auf Verlangen des Arbeitgebers die für die Entstehung der Krankheit erheblichen Umstände, die aus seinem Lebensbereich herrühren, im einzelnen darlegen. Es kann im Einzelfall ausreichen, wenn er dieser Verpflichtung erst im Rechtsstreit über den Lohnfortzahlungsanspruch nachkommt. LAG Hamm, 7.8.1985, 1 Sa 939/85